Das Sofa-Team steht Ihnen für fallbezogene oder allgemeine Fragen gern zur Verfügung.
Interkulturelle Begleitungen

In den vergangenen Jahren zeigte sich ein zunehmender Bedarf an interkulturellen Begleitungen. Aus langjähriger Erfahrung wird deutlich, dass die Arbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund effizienter gelingt, wenn eine Begleitperson aus dem gleichen Herkunftsland kommt und die eigene Muttersprache spricht. Der Vertrauensaufbau ist deutlich einfacher, und die Problematiken werden leichter erkannt und verstanden. Dadurch kann adäquat und zielgerichtet darauf reagiert werden – auch in Hinblick auf die Integration. Die Sofa Stiftung hat auf die zunehmenden Anfragen reagiert und führt seit dem 1. März 2025 einen spezialisierten Bereich für interkulturelle Begleitungen.
In diesem Bereich werden sozialpädagogische Familienbegleitungen für Familien mit Migrationshintergrund, aber auch Begleitungen für Familien, die eine verwandtschaftliche Pflegeplatzierung führen, angeboten. Ausserdem führt die Sofa Stiftung Einzelcoachings für minderjährige geflüchtete Kinder, bzw. Jugendliche und zunehmend auch junge Erwachsene, welche noch sozialpädagogische Unterstützung benötigen, durch.
Basis der interkulturellen Begleitungen stellt das Konzept der ambulanten Leistungen dar und es findet ein enger fachlicher Austausch zwischen den beiden Bereichen statt.
Der interkulturelle Begleitbereich besteht aus Fachmitarbeitenden, welche aus unterschiedlichen Herkunftsländern stammen und verschiedene Sprachen sprechen. Hier arbeiten beispielsweise je eine Psychologin aus Brasilien und aus der Ukraine, ein Psychologe aus Bolivien, eine Sozialpädagogin aus Albanien etc. Es zeigt sich, dass aus gewissen Herkunftsländern, wie beispielsweise Afghanistan, keine ausgebildeten Fachpersonen mit der erforderlichen Berufserfahrung sowie einem akzeptierten Äquivalenzverfahren gefunden werden können. Aus diesem Grund setzt die Sofa Stiftung auf Mitarbeitende, so genannte «Interkulturelle Einzel- und Familienbegleitende», welche in einem pädagogischen Tandem [PDF] arbeiten. Die «interkulturellen Einzel- und Familienbegleitenden» werden pädagogisch begleitet und individuell weitergebildet.
Sozialpädagogische Familienbegleitung (SPF)
Es gibt familiäre Situationen, in denen eine sozialpädagogische Familienbegleitung unterstützend wirken kann. Das ist beispielsweise der Fall, wenn grosse Belastungen oder Herausforderungen das Zusammenleben beeinträchtigen.
Wir teilen jeder Familie eine Sofa-Begleitperson zu. Unsere Begleitperson besucht die Familie und bespricht wichtige Themen, sucht gemeinsam mit den Familienmitgliedern Lösungen und begleitet bei deren Umsetzung.
Welche Formen der sozialpädagogischen Familienbegleitung bietet die Sofa Stiftung an?
- Pädagogische Unterstützung für Eltern: Die Sofa Stiftung bietet Unterstützungsangebote für Familien, die in der Erziehung und bei der Bewältigung des Alltags mit besonderen Herausforderungen konfrontiert sind.
- Sozialpädagogische Begleitung: Die Mitarbeitenden der Sofa Stiftung unterstützen Familienmitglieder bei der Bewältigung und der Gestaltung ihres Lebensalltags. Die Mitarbeitenden richten ihr Handeln nach den individuellen Bedürfnissen der Familie und dem Auftrag der zuweisenden Stelle. Die Unterstützung erfolgt mittels sozialpädagogischer Methoden und basiert auf den Grundsätzen der traumapädagogischen Familienarbeit.
- Kulturvermittlung: Die Sofa Stiftung bietet Begleitangebote für Familien und Pflegefamilien mit verschiedenen kulturellen Hintergründen und Familienkonstellationen. Mehr Infos dazu finden Sie im Abschnitt Interkulturelle Begleitungen.
- Für Eltern mit Pflegekindern (DAF-SPF): Die Sofa Stiftung bietet Unterstützungs- und Beratungsangebote für Pflegefamilien, die bei Fragestellungen im Umgang mit Pflegekindern Hilfe wünschen oder benötigen.
Dazu gehören- Umgang mit dem Helfer- und Herkunftssystem
- Fragen und Themen rund um das Pflegekind
- Auswirkungen auf familiäre Dynamiken
- Administrative Belange im Rahmen Pflegeverhältnisses
- Umgang mit dem Helfer- und Herkunftssystem
- Bei Rückplatzierung des Kindes aus einem Pflegeverhältnis oder einer Institution: Der Rückplatzierungsprozess von Kindern oder Jugendlichen ins Herkunftssystem ist für alle Beteiligten eine grosse Herausforderung. Die Sofa Stiftung bietet Angebote, um diesen Prozess zu begleiten.
- Für Kinder und Jugendliche ohne Erziehungsperson: Sind beide Elternteile für Geschwisterkinder oder Jugendliche im Alltag nicht mehr verfügbar, unterstützt die Sofa-Begleitperson diese in der Organisation des Alltags und des Zusammenlebens im bisherigen Umfeld und steht ihnen als Ansprechpartner*in zur Verfügung.
Wie verläuft der Prozess einer sozialpädagogischen Familienbegleitung?
- Bei einer sozialpädagogischen Familienbegleitung definieren Auftraggebende unter Einbezug der Familie die Ziele. Die Dauer der Begleitung variiert je nach Auftrag.
Welche Aufgaben übernimmt die Sofa Stiftung während einer sozialpädagogischen Familienbegleitung?
- Fallführung und Dokumentation: Termine werden schriftlich dokumentiert. Ein Protokoll dient als Grundlage zur Prüfung der Zielerreichung im Rahmen der regelmässigen Standortgespräche. Zudem erstellen wir strukturierte Verlaufsberichte mit unseren fachlichen Einschätzungen und Empfehlungen.
- Begleitung: Die Sofa-Begleitperson unterstützt die Familien und ist Ansprechpartner*in für im Alltag anfallende Themen.
- Ergänzende Leistungen: Falls erforderlich, ist ein unkomplizierter Einbezug unserer weiteren Angebote möglich, beispielsweise ein Entlastungsplatz in einer Pflegefamilie.
Sozialpädagogisches Einzelcoaching (SPE)
Im Rahmen eines sozialpädagogischen Einzelcoachings werden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in herausfordernden Lebenssituationen begleitet. Das Einzelcoaching bietet Orientierung und alltagsnahe Unterstützung.
Wie verläuft der Prozess eines sozialpädagogischen Einzelcoachings?
- Bei einem sozialpädagogischen Einzelcoaching definieren Auftraggebende unter Einbezug des Kindes bzw. dies Jugendlichen die Ziele. Die Dauer der Begleitung variiert je nach Auftrag.
- Inhalt: Im Rahmen eines Coachings arbeitet die Sofa-Begleitperson mit den Klient*innen an konkreten Themen und den formulierten Zielen. Biografiearbeit und Traumapädagogik spielen im Coaching eine wichtige Rolle. Die Klient*innen werden dazu befähigt,
- ihre persönlichen Stärken und Schwächen zu erkennen,
- Konflikte konstruktiv zu bewältigen,
- ihre Sozial- und Kommunikationskompetenzen weiterzuentwickeln bzw. zu erweitern.
Welche Aufgaben übernimmt die Sofa Stiftung während eines sozialpädagogischen Einzelcoachings?
- Fallführung und Dokumentation: Die Mitarbeitenden der Sofa Stiftung sind jeweils für die Fallführung verantwortlich. Coachingtermine werden schriftlich dokumentiert. Diese dienen als Grundlage zur Prüfung der Zielerreichung im Rahmen der regelmässigen Standortgespräche. Wir erstellen zudem strukturierte Auswertungsberichte mit Verlaufsbericht sowie unseren fachlichen Einschätzungen und Empfehlungen.
- Begleitung: Die Mitarbeitenden begleiten ihre Klient*innen zu Behörden, Fachstellen und Arbeitgebenden. Ein Einbezug der Familie findet im Unterschied zur sozialpädagogischen Familienbegleitung punktuell und nach Bedarf statt.
- Ergänzende Lösungen: Die verschiedenen Dienstleistungen der Sofa Stiftung erlauben einen unkomplizierten Einbezug unserer weiteren Angebote – beispielsweise ein Platz in einer Pflegefamilie–, sofern dies angezeigt ist.
Besuchsrechtsbegleitung (BRB)
Das Ziel der begleiteten Besuche ist es, dem Kind und den Eltern positive Begegnungen zu ermöglichen.
Wie verläuft der Prozess einer Besuchsrechtsbegleitung?
- Bei einer Besuchsrechtsbegleitung definieren Auftraggebende unter Berücksichtigung der Bedürfnisse des Kindes den Auftrag und Ziele.
- Dauer und Intensität: Die Dauer der Begleitung variiert je nach Auftrag. Ziel ist es, dass Eltern ihr Besuchsrecht in Zukunft wieder selbstständig, also ohne Begleitung, ausüben können.
- Rahmenbedingungen: Die Rahmenbedingungen und Regeln der Begleitung werden durch die Behörden oder die Beistandsperson schriftlich mit den Eltern festgelegt.
Welche Aufgaben übernimmt die Sofa Stiftung während einer Besuchsrechtsbegleitung?
- Fallführung und Dokumentation: Jeder Besuchsbegleitungstermin wird schriftlich dokumentiert. Ein Protokoll dient als Grundlage zur Prüfung der Zielerreichung im Rahmen der regelmässigen Standortgespräche. Wir erstellen zudem strukturierte Auswertungsberichte mit Verlaufsdarstellung sowie unseren fachlichen Einschätzungen und Empfehlungen.
- Begleitung: Die Mitarbeitenden der Sofa Stiftung vermitteln den Eltern, was getrenntlebende Elternschaft bedeutet und welche Bedürfnisse bzw. Grenzen Kinder von getrenntlebenden Eltern haben. Die Eltern sollen für die Kindsinteressen sensibilisiert und in ihren Kompetenzen gestärkt werden.
- Besuchsorte: Die Besuche finden nach Möglichkeit im Umfeld der Eltern statt. Andernfalls werden die kindergerechten Räumlichkeiten der Sofa Stiftung in Brugg oder Zürich genutzt. Bei Bedarf mieten wir Räumlichkeiten in der entsprechenden Region für die Besuchskontakte punktuell dazu.
Pädagogisches Tandemkonzept
Tandem-Konzept für interkulturelle Einzel- und Familienbegleitungen bei der Sofa Stiftung
Ausgangslage und Zielsetzung
Innerhalb der Schweiz hat der Bedarf an ambulanten Leistungen, Sozialpädagogischen Familienbegleitungen, sozialpädagogischen Einzelcoachings, Intensivabklärungen sowie Begleitungen von Pflegeverhältnissen deutlich zugenommen. Es besteht ein Trend, stationäre Leistungen mit ambulanten Leistungen zu ersetzen, um die Klient*innen in ihrem eigenen Umfeld zu unterstützen, zu begleiten und zu stabilisieren. Neben den ambulanten Leistungen wird vermehrt Unterstützung nachgefragt für Familien mit Migrationshintergrund, welche eine verwandtschaftliche Pflegeplatzierung führen, oder minderjährige geflüchtete Kinder/ Jugendliche, welche in Pflegefamilien leben.
Die Problematiken von Kindern und Jugendlichen sind bei Familien mit oder ohne Migrationshintergrund vorhanden und können professionell aufgefangen werden. Bei Familien mit Migrationshintergrund sieht die Sofa Stiftung einen besonders grossen Bedarf und gleichzeitig eine Chance. Aus langjähriger Erfahrung wird deutlich, dass die Begleitung von Menschen mit Migrationshintergrund effizienter gelingt, wenn eine Bezugsperson aus dem gleichen Herkunftsland diese übernimmt. Der Vertrauensaufbau gelingt deutlich einfacher, wenn die Beteiligten ihre Muttersprache sprechen können, und die Problematiken innerhalb der Familie werden leichter verstanden und erkannt. Folglich kann auch adäquat und zielgerichtet darauf reagiert werden – auch in Hinblick auf kulturelle Aspekte.
Aus einigen Herkunftsländern (wie Afghanistan und Syrien) finden sich kaum Fachkräfte mit Migrationshintergrund, welche eine sozialpädagogische Ausbildung innerhalb der Schweiz absolviert haben und damit vollständig anerkannt sind. Daher reagiert Sofa Stiftung auf diesen Bedarf mit diesem Tandemkonzept, gemäss dem jeweils eine ausgebildete Sozialpädagogin/ein ausgebildeter Sozialpädagoge mit einer Person mit Migrationshintergrund gemeinsam die Begleitung übernimmt. In dieser engen Zusammenarbeit können die Vorteile der Zusammenarbeit mit Menschen aus dem eigenen Herkunftsland genutzt und gleichzeitig eine sozialpädagogisch fundierte Arbeit gewährleistet werden.
Fachlicher Hintergrund von interkulturellen Begleitpersonen
Die bei der Sofa Stiftung tätigen interkulturellen Begleitpersonen müssen folgende Grundvoraussetzungen mitbringen:
- Höhere Ausbildung aus dem Herkunftsland oder ein Berufs- oder Ausbildungsabschluss, bzw. ausgewiesene Arbeitserfahrungen in der Schweiz
- Gute Kenntnisse der Herkunftssprache
- Deutschkenntnisse B2
- Alltagswissen über das Leben im Herkunftsland und der Schweiz
- Interesse an den zu beratenden Menschen und deren Geschichten, Akzeptanz für unterschiedliche Lebensentwürfe, Empathie-Fähigkeit
- Zuversichtliche Grundhaltung
Ergänzend wurde das folgende Anforderungsprofil formuliert:
- Interkulturelle Begleiter*innen sind sich ihrer Rolle bewusst und reflektieren ihre Tätigkeit und ihr Kommunikationsverhalten.
- Sie nehmen eine Vorbildfunktion wahr, weil sie sich im Ankunftsland zurechtfinden und ihren Weg erfolgreich gehen.
- Sie sind bereit und in der Lage, sich zielgerichtet Informationen (z. B. zum schweizerischen Sozialsystem oder spezifischen Angeboten) zu beschaffen.
- Sie besitzen die Fähigkeit, die eigene Lebens- und Migrationsgeschichte zu reflektieren und Distanz zur eigenen Betroffenheit zu halten.
- Bereitschaft und Offenheit für persönliche und fachliche Entwicklung und für Teilnahme an Weiterbildungen.
Massnahmen zur Qualitätssicherung
Interkulturelle Begleiter*innen ohne sozialpädagogische oder andere adäquate Ausbildung arbeiten eng mit einer ausgebildeten Tandemperson der Sofa Stiftung zusammen, welche die Klient*innen und ihre Problematiken kennt. Durch die intensive Reflexion der Begleitung nimmt die/der Tandempartner*in Einfluss auf die Fallführung und gewährleistet Fachlichkeit. Die Fachperson trägt die Verantwortung für die Qualität der Arbeit. Auch ist diese ausgebildete Fachperson während der sozialpädagogischen Begleitung Ansprechperson für die Auftraggebenden.
Die Sofa Stiftung schult das interne Personal regelmässig und fördert die Teilnahme an Weiterbildungen. Es werden Fallbesprechungen einzeln sowie in der Gruppe (Intervision) durchgeführt, sowie regelmässige Supervisionen angeboten.
